Ein Loblied auf den modernen Mann. Also meinen. 

Bobbel ist 9 Wochen alt und es läuft. Es läuft gut, es läuft die Nase, es läuft immer was, es läuft manchmal über, das Herz. 

Aber ohne meinen Mann würde ich das alles gar nicht schaffen. Wirklich nicht. Wir wären hier schon verhungert (oder zumindest mangelernährt) und dank Schlafmangel wohl auch mit den Nerven am Ende. 

Aber mein Mann kommt meist am Mittag nach Hause und setzt sich nicht, wie mein Vater früher, an den gedeckten Tisch und bekommt eine warme Mahlzeit. Nein, in den ersten Wochen brachte er immer etwas zu essen mit oder kochte uns etwas. Unterdessen schaffe ich es meist, etwas zu kochen. Also was man bei mir als kochen bezeichnen kann. Danach hält er das Baby im Arm und bespasst den Buäb, damit ich mal in Ruhe wahlweise aufs Klo gehen, mir die Zehennägel schneiden oder mich einfach mal kurz irgendwo verstecken kann. 

Abends kommt er entweder direkt nach der Arbeit nach Hause oder geht noch einkaufen. Ausser ich habe den Einkauf online bestellt. Weil ehrlich: Einkaufen ohne Auto mit zwei Kindern mache ich schon regelmässig, aber erstens braucht es viel Nerven und zweitens reicht die Menge, die ich dann noch nach Hause schleppen kann, höchstens für einen Nachmittag. Dann kocht er wieder (oder ich, aber das möchte eigentlich niemand)  und kümmert sich um die Fragen, die der Buäb tagsüber hatte, die ich aber alle nicht beantworten konnte („das müssen wir Papa heute Abend fragen“ hundert Mal pro Tag. Hilft vielleicht nicht für ein gutes Frauenbild, aber der Mann weiss halt einfach alles). 

Nachts übernimmt er die erste Schicht mit Baby und schläft mit ihm im Spielzimmer, so dass der Buäb und ich im Schlafzimmer zu etwas Schlaf kommen. (Wir sind uns zum Glück einig, dass der Alltag mit Kind(ern) strenger ist als lohnarbeiten, also sehen wir keinen Grund, warum die lohnarbeitende Person durchschlafen dürfte. Also mit unseren Kindern und unseren Jobs ist das zumindest so.)

Freitags hat er frei, weil er nur 80% arbeitet. Ja, selbst gewählt. Dafür haben wir kein Auto, kein Haus, keinen Wäschetrockner und keine einheitliche Bettwäsche. Wir werden nie reich werden, aber wir werden das alles hier irgendwie schaffen, ohne kaputt zu gehen. Beide. 

„Du hast aber einen lieben Mann.“ Ja, das habe ich wirklich. Aber mit lieb hat das wohl wenig zu tun, dass er „mithilft“, wie man auch 2017 noch so schön sagt. 

Ich tendiere trotzdem  dazu, dem Mann ständig danke sagen zu wollen. Dann frage ich mich, ob ich das muss. Sagen Männer ihren Frauen danke? Trotzdem sage ich es. Weil ich es fühle. Dankbarkeit. Auch weil ich weiss und sehe, dass es andere gibt. Solche, die denken, sie hätten mit 8 Stunden Lohnarbeit ihr Tagessoll für die Familie erreicht. Ja, easy. Dann würde ich auch 100% lohnarbeiten wollen und stolz sein darauf, dass ich die Familie ernähre. Pfff. 

Zwei Kinder, ein Haushalt. Andere schaffen das mit links und mit Kuchen zum Zvieri. Selbstgemacht. Keine Fertigmischung. Ich aber nicht. Zumindest nicht jetzt, zwei Monate nach der Geburt und mit einem fordernden Buäb. Vielleicht, weil ich die Kinder selbst betreue, vielleicht, weil mir Ordnung und Sauberkeit so wichtig sind, vielleicht, weil ich eigentlich 8 Stunden Schlaf bräuchte, vielleicht… Vielleicht weil ich einfach nicht muss. Weil wir ein Team sind. 

Danke. 

(Das Loblied auf mich folgt dann vom Mann.)

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5 Gedanken zu “Ein Loblied auf den modernen Mann. Also meinen. 

  1. schön geschrieben. 🙂
    Ich habe meine drei Jungs auch selbst betreut. Der Kindergarten war die erste „Fremdbetreuung“. So war ich insgesamt 12 Jahre zuhause. Jetzt arbeite ich wieder Teilzeit.

    Einen 80% Job für den Mann hätte ich mir auch gewünscht. Aber er meinte, das ginge nicht…..
    Ansonsten hat er aber trotzdem ziemlich viel „mitgeholfen“. 🙂

    Und irgendwann klappt das auch mit dem Kuchen zum Z’Vieri. Den können Sie dann ja mit dem Buäb zusammen backen. 🙂

    Liebe Grüsse aus dem Nordwesten
    asty

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  2. Ein sehr schöner Artikel. Das Bedürfnis Danke zu sagen habe ich auch. Mein Mann übernimmt schon seit zwei Jahren die Nachtschicht, weil ich sonst große Probleme mit dem wieder einschlafen bekomme. Er ist großartig. Dennoch stoßen wir im Freundes- und Bekanntenkreis auf fragende Gesichter als ob seine Rolle sehr exotisch sei. Schön hier zu lesen, dass es ähnlich ist.

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  3. Hallo. So schön wieder von dir zu lesen…ich habe dich vermisst (das soll keinen Druck aufbauen mehr zu schreiben sondern ist einfach genauso gemeint)
    Danke für diesen Text und danke für deine Ehrlichkeit.
    Ich habe Zwillinge etwa im Alter des Buäb und mein Mann musste und wollte viel mithelfen. Und trotz viel miteinander hängt viel mehr an mir…vorallem Verantwortung und Denkarbeit.
    Danke für deine Texte und somit auch Denkanstösse. Ich schaff das mit dem Selbstgebackenen Kuchen auch noch nicht …

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  4. Du sprichst mir aus dem Herzen! Mein Mann unterstützt mich auch in allem. Er geht einkaufen, kocht und kümmert sich um die Wäsche. Dafür bekommt er oft lobende Worte von den Menschen die uns umgeben. Mir fehlt da manchmal die Anerkennung und das Lob das ich wohl auch verdient hätte. Aber ich kümmere mich ja nur um die Kinderbetreuung und um die ganze Alltagsorganisation….
    Ich finde es nur fair, das der Vater meines Kindes sich genauso um die Haushaltsangelegenheiten kümmert wie ich.
    Natürlich bin ich meinem Mann Dankbar um diese wunderbare Unterstützung. Doch seien wir mal ehrlich, wenn er dazu nicht bereit wäre, dann hätte ich mit ihm sicherlich keine Familie gegründet.

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  5. Pingback: Elternarbeit – Wie wir dem 50:50 Modell näher kommen

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