attachment parenting wie es uns gefällt

seit ein paar tagen geistern in meiner blogroll diverse blogposts zum thema „attachment parenting als allheilmittel – oder eben nicht?“ und ähnliches rum. auslöser dafür ist eine blogparade von frau chamailion.

und natürlich muss ich meinen senf dazu geben.

wir machen wohl auch eine art „attachment parenting“ oder wie ich es schöner finde: „bedürfnisorientierte erziehung“. allerdings fallen bei uns spontanes gebären und stillen weg, das oft auch erwähnt wird, wenn es um diese art der erziehung geht. und das ist auch schon meiner erster kritikpunkt, denn feministisch ist das nicht. schliesslich fallen so nicht nur frauen, die (wie ich) nicht spontan gebären oder stillen können (oder wollen), weg, sondern auch väter oder jene menschen, die ihre kinder nicht (selbst) geboren haben.

wo ich aber ganz sicher mitreden kann: beim thema „high need baby„. ja, so eines hatten wir auch und es ist bis heute ein kind geblieben, das mehr braucht als andere kinder. und so hat es sich von anfang an das geholt, was es brauchte: vor allem nähe. wir haben es 8 monate lang ausschliesslich getragen und es schläft bis heute im familienbett.

und genau das ist für mich bedürfnisorientierte erziehung: schauen, was das kind wirklich möchte und braucht. niemand kann mir eine liste machen, was gut ist für mein kind. nur mein kind kann mir mitteilen, was es braucht. in unserem fall waren das die oben erwähnten punkte, aber ich kenne auch babys, die nicht getragen werden möchten und solche, die bestens im eigenen zimmer schlafen. vielleicht wird ein zweites kind ein ganz anderes, vielleicht auch ein „high need baby“, aber eines, das ganz andere bedürfnisse hat. von daher: nein, attachment parenting kann kein allheilmittel sein. zumindest nicht so, wie es von vielen menschen verstanden, gelebt und gepredigt wird.

und auch wenn immer auf die bedürfnisse des kindes geachtet und darauf eingegangen wird: es gibt dinge, die wir unseren kindern nicht abnehmen können. es gibt dinge, die wir nicht ändern können und situationen, in denen wir unseren kindern nicht helfen können, egal, wie sehr wir es wollen und versuchen. es ist ignorant zu denken, nur weil man selbst dank attachment parenting (oder wahlweise einer anderen erziehungsrichtung) ein friedliches kind hat, das gut schläft, wenig weint, zufrieden ist, … das sei ein eigener verdienst. hey, du hast wahrscheinlich einfach glück gehabt. du hast nicht meine vollste bewunderung, sondern ein kleines bisschen neid dafür.

und nicht zuletzt, bei aller liebe für die bedürfnisse unserer kleinen: ich bin auch wer. wenn ich keine lust / fähigkeit / zeit / … habe auf stillen, familienbett, rumtragen, … dann versuche ich es zu vermeiden. ich habe monatelang versucht das kind davon zu überzeugen, dass es auch ohne 24h-körperkontakt überleben kann. ich habe es bei jeder gelegenheit abgelegt, wach und schlafend. es hat mir monatelang gezeigt, dass es eben nicht überleben kann ohne körperkontakt. bis zu diesem wunderbaren tag, als ich es schlafend ablegen konnte. ich hätte es natürlich einfach akzeptieren können, aber ich habe nun mal eigene bedürfnisse. ich habe mich gefreut, als ich meinen körper mal wieder ein paar minuten pro tag für mich hatte. ja, babys tragen ist schön, aber nicht 24 stunden pro tag, glauben sie es mir. und deshalb habe ich auch vollstes verständnis für eltern, die andere dinge auf der „to-do-liste“ des attachment parenting nicht tun möchten oder können. es ist wichtig, dass bedürfnisorientiert die bedürfnisse der eltern nicht ausschliesst.

übrigens: das alles soll nicht heissen, dass ich tauschen möchte. ich bin nicht neidisch auf die „zufriedenen“ babys, sondern nur auf den schlaf, die ruhe, die entspannte babyzeit. ich habe aber lieber meinen high-need-superbuäb als irgend ein anderes chiller-baby. ausserdem heisst es ja, dass die pubertät von high need babys total easy wird. ha! bloggt doch dann mal wieder darüber, was alles euer verdienst ist. wir sprechen uns!

 

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Ein Gedanke zu „attachment parenting wie es uns gefällt“

  1. Der Ursprung war dieser Artikel http://www.mamis-blog.de/2015/12/17/beduerfnisse-der-kinder-und-eltern/ danach kam die Blogparade.
    Ich war davon tierisch genervt und finde deinen Artikel gut. Hat mich echt aufgeregt dieses „das ist mein Verdienst dass mein Kind so ist“, weils im Umkehrschluss heißt dass man sich nur nicht genug aufgeopfert hat wenn man ein unentspanntes Kind hat. Und dieses abfeiern für Selbstaufgabe finde ich auch blöd.

    Gefällt 1 Person

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