2!

mein lieber frechdachs!

heute wirst du 2 jahre alt. mama ist wehmütig und erzählt schon seit tagen, wie das damals war, als du zu uns kamst. blond gelockt und blauäugig (was du heute immer noch bist).

du bist ein wunder. du bist stark und laut und frech und voller spässe und action. alle sagen, du siehst aus wie ein engelchen (was du wirklich nicht bist) oder wie ich (was schon eher passt).

du liebst deinen plüschbären über alles, genauso wie lego bauen (duplo ist für babys), schaukeln (wie dein grosser bruder damals) und singen. wir gehen gemeinsam zum eltern-kind-singen und es macht dir einen solchen spass, dass ich eigentlich die ganze zeit über nur damit beschäftigt bin, dir zuzuschauen, wie du singst, musizierst oder tanzt.

dein grosses vorbild ist dein bruder. du sitzt ihm meistens gegenüber und schaust, was er tut. beim essen, basteln, malen, … und tust: dasselbe wie er. haargenau kannst du ihn kopieren und imitieren und du freust dich immer, wenn er vom kindergarten wieder nach hause kommt. ihr kämpft und streitet aber auch mehrmals am tag, ich finde es streng, ihr aber ganz normal und manchmal auch lustig.

du warst lange kein grosser redner, hast dann aber ein update installiert und redest jetzt den ganzen tag. du hast herzige wörter erfunden, wie zum beispiel «mimsis» (hochdeutsch «meimseins»).

du freust dich unglaublich auf deinen geburtstag, weil das gibt es ballone und kerzen und viel besuch, auch oma und opa kommen, die du so sehr liebst.

mein bengelchen, du bist einmalig. bleib es für immer. du hast uns lauter und bunter und so viel lustiger gemacht. ich danke dir.

ich liebe dich.

klugi

«weisst du eigentlich, warum wir weihnachten feiern?» (frage ich, obschon ich selbstverständlich davon ausgehe, dass das kind das weiss. wir haben es oft erzählt und wir haben nicht wenige bücher zum thema.)
«ja klar, wenn man nur zum geburtstag geschenke bekäme, wäre das ja zu wenig.»
«und was feiert man denn genau an weihnachten?»
«keine ahnung, mama. das ist wahrscheinlich einfach so mit dem urknall mitgeliefert worden.»

(ich lieb den!)

begegnung

heute morgen auf dem weg zur arbeit. es schneit, es ist noch dunkel und ich höre musik. es ist ein wunder: die ganze welt bewegt sich im takt zur musik, die man gerade hört. auch die schneeflocken. mir kommt ein pärchen entgegen, vor ihnen läuft ein hund. das pärchen sieht so harmonisch aus. sie halten sich nicht an den händen, aber sie sehen aus, als hätten sie gerade zusammen über etwas gelacht. sie sind nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. man sieht, dass sie schon lange zusammen gehen, sie haben denselben takt. vielleicht haben sie nicht den meiner musik, sie haben wohl ihren eigenen.
erst als mir der hund freudig entgegen springt, merke ich: das sind ja meine eltern.

das ist auch ein grosses glück.

Truth.

ich bin ja immer froh, wenn ich eine diagnose bekomme. ein wort, nach dem ich googeln kann und merke: ich bin nicht alleine. und was ich dagegen tun kann. die diagnose lautete also: mental load. die therapie dazu fand ich bei das nuf.

der mann und ich arbeiten beide teilzeit und teilen uns nicht nur bett und geld, sondern auch die kinderbetreuung. was wir aber nicht fair aufgeteilt hatten, ist eben diese last, diese aufgaben, die anstehen, wenn man kind und haus hat. und so haben wir eine bestandesaufnahme gemacht und die aufgaben neu verteilt.

soweit, so gut. ich lass los, lass jetzt los…

am ende unseres gesprächs bin ich dankbar und zuversichtlich, auch erleichtert. vielleicht wird bald alles einfacher.

ich stehe auf um ins bett zu gehen, da sagt der mann: „könntest du mich bitte in einem monat nochmals an meine neuen aufgaben erinnern?“

oh my.

01.11.2018

Mama! Mama? Mammmaaaaaaaa! MAAMMMAA! Mama? Mama? Mama? Mama! Mama? Maaaamamaamamama! Mama! Mama? Mami? Mamamamamamam! MAMA! Mama? Mama… Mama! Mama! Mama? Mammmaaaaaaaa! Mama, … ? Mama? Mama? Mama! Mama! Mama? Mamamamamamam! Mami! Mama? Mama… Mama! Mama! MAAAMA! Mama? Mammmaaaaaaaa! Mami? MAAMMMAA! Mama? Mameli? Mama! Mama? Mama? Mama… Mama! Mama! Mami! Mama? Mammmaaaaaaaa! MAAMMMAA!  Mama? Mama?! Mama! MAMA! Maaaamamaamamama! Mama! Mama? Mamamamamamam! Mama! Mama? Mama… Mama? Mama! MAAMMMAA! Mama? Mama? Mama! Maaaamamaaama! MAAAAMMMAAA? Mama? Mama! Mama? Mama? Mama… Mama! Mama? Mama! Mama? Mammmaaaaaaaa! MAAMMMAA! Mamaaaa? Mama? Papa? Mama! Maaaamamaamamama! Mama! MAMA? Mama? Mamamamamamam! Mama! MAMA! MAMMMMMAAA? Mami! Mama? Mama… Mama!Mama! Mama? Mammmaaaaaaaa! MAAMMMAA! Mami. Mama? Mama? Mama! Maaaamamaamamama! Mama! Mama? Mama? Mamamamamamam! Mama? Mama… Mama! MAMA! Mama? Mama, … Mama! Mama! MAMA! Mama.

Eine alte Freundin

Was man sich fast nicht vorstellen kann im ersten Babyjahr, aber wirklich irgendwann eintritt: Es wird plötzlich einfacher mit Kind(ern). Das Kind hängt nicht mehr den ganzen Tag wie ein Kängurubaby an Mamas Körper, es kann (wenn es wirklich sein muss) auch mal einen ganzen Tag ohne Milchflasche auskommen (nicht nachts, natürlich!), es kann (meistens) kommunizieren, was ihm fehlt, es erwacht nachts nicht mehr alle zwei Stunden, etc.

Und so passiert etwas Phänomenales: Plötzlich denkt Mutti nicht nur an ihre Kinder und ihren Ehemann, an Haushalt und mental load, an Haus und Garten, Lohnarbeit und soziale Verpflichtungen. Sie denkt plötzlich auch wieder an sich selbst.

Es ist, als würde man (im Idealfall) eine alte Freundin wieder treffen und sich darüber freuen. „Ja hallo, da bist du ja!“ Und diese Freundin auch wieder ein bisschen kennen lernen müssen. Was will die überhaupt? Was macht die gerne? Wie geht es ihr?

Gerade befinde ich mich in dieser Phase und ich versuche mich selbst ein bisschen zu bremsen vor Euphorie. Nein, ich muss jetzt keinen neuen Job suchen und Karriere machen, ich muss kein Buch schreiben, auch kein drittes Baby planen, ich muss kein zweites Studium beginnen und auch nicht für einen Marathon trainieren. Es reicht vollkommen, wenn ich mir zum Beispiel mal Gedanken darüber mache, ob und was ich mal wieder gerne stricken würde.

Aber dann, wenn ich abends wirklich mal Ruhe und Zeit hätte für solche Gedanken, dann bin ich oft immer noch zu müde. Sitze auf dem Sofa wie eine müde Kartoffel, starre ins Leere, in ein Buch oder ins Smartphone. Und geniesse einfach, dass sie wieder da ist, diese alte Freundin.

dä pöstler again.

die menschen kommen nicht damit klar, dass ein kind von uns anders aussieht als der rest der familie*. (sie meinen aber auch, es sei ein mädchen, was zwar nicht stimmt (zitat kind: „chliinä buäb!“, aber für mich okay ist. spielt es eine rolle und muss ich es korrigieren? nein.) drei von vier menschen in unserer familie haben dunkles, gerades haar. einer hat einen bart und glatze, eine hat manchmal graue haare, manchmal zu dunkel gefärbtes haar, einer hat ganz dunkle augen und dunkle haut. und eben: einer sieht anders aus. einer hat ganz helle haut, blaue strahleaugen und blonde locken. in den ferien in italien nahm man es gelassen und freudig: „che bella!“ etc. und ganz oft: „angelo!“ oder „angelica!“.

in der schweiz kommt man (ja, ganz oft Mann!) nicht damit klar. zwei menschen machen ein kind und das hat auszusehen wie die perfekte mischung aus den eltern oder zumindest wie einer davon. ja, ich verstehe auch nicht viel von genetik (ich dachte zum beispiel immer, dass zungenrollen genetisch bedingt ist. ist es aber nicht.), aber ich weiss, was alles möglich ist. ich weiss auch, dass kinder adoptiert werden  oder von leihmüttern ausgetragen werden können. und ich weiss noch viel mehr. viele schweizer wissen aber nur, dass wenn das kind anders aussieht, dann muss der pöstler oder der milchmann etwas damit zu tun haben. (der pöstler ist so im stress, wie soll der kinder zeugen? und den milchmann gibt es hier schon lange nicht mehr.)

und so höre ich (denn die mutter muss ja schuld sein, as ever) seit bald zwei jahren so oft den gleichen spruch (eben: 99% von männern) und weiss nicht, wie ich kontern könnte. ideas anyone? sonst schlag  ich vielleicht demnächst mal zu.

 

*es sieht übrigens gar nicht so anders aus. aber das weiss man erst, wenn man kinderfotos von mir gesehen hat. oder wenn man andere details als haare und augenfarbe ansieht.