bye bye april

„O Bär“, sagte der Tiger, „ist das Leben nicht unheimlich schön, sag!“ „Ja“, sagte der kleine Bär, „ganz unheimlich und schön.“

Aus Janosch: „Post für den Tiger.“ (Eine grosse Buchliebe von mir, übrigens.)

Der April hat mich versöhnt. Wir waren gesund, das ist doch schon allerhand. Und wir waren in den Ferien. Wie gut das getan hat, besonders auch der Abstand zu vielem, das gerade schief und krumm läuft im Alltag. Wir waren im Zirkus und haben dort und auch sonst viel zu viel Geld ausgegeben. Ganz egal.
Alle Verwandten sind raus aus dem Spital. Für die einen gab es gutartige Nachrichten, für die anderen hat ein Lebensabschnitt viel zu früh begonnen. Wir machen als Familie gerade Schritte, die wir nie oder wenn, dann erst viel später gehen wollten. Machen wir das Beste daraus. Eben: unheimlich und schön.

Gelesen: 

Hansjörg Schertenleib: Die Fliegengöttin. (Ja, sollte man lesen.)
Doris Knecht: weg. (auch. Alles von ihr. Eine gute Frau und Autorin.)
Otfried Preussler: Hörbe mit dem grossen Hut.
Otfried Preussler: Hörbe und sein Freund Zwottel.

Gehört: 

Den Podcast von Little Years: Sollte man den Praenatest machen? (Sehr empfehlenswert und aufschlussreich. Mit Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich.)

Gemacht: 

Yoga, Kuchen, Zopf, Gedanken, Diät und die erste FSME-Impfung.

buchempfehlung ihrer lieblingsbibliothekarin: das wasserscheue krokodil

mal was altes (2014), aber sehr bewährtes: „das wasserscheue krokodil„. eigentlich eines meiner liebsten bücher für meine buben. vor 4 jahren in holland gekauft (deshalb heisst unseres auch „de krokodil die niet van water hield“) und heiss geliebt, zuerst vom grossen und jetzt auch vom kleinen.

ein paar krokodil-geschwister, die es allesamt lieben, ins wasser zu tauchen, zu schwimmen und zu toben. auf mamas rücken zu sitzen, während sie durchs wasser gleitet: ein traum und ein spass. ausser für eines: das wasserscheue krokodil. es mag kein wasser, nicht mal an der zehenspitze. „wasser war kalt, wasser war nass und wasser war peinlich.“

es fühlt sich ausgeschlossen und alleine und fragt sich (auch nachts), warum es denn so anders ist.

eines tages überwindet es sich und springt ins wasser. grauenhaft. und so kalt, dass es niesen muss. aber was kommt da aus der nase? ganz viel feuer und dann ein bisschen rauch. ist das krokodil womöglich gar kein krokodil?

ein wirklich wunderbares buch, besonders für kinder, die manchmal vielleicht ein bisschen anders sind als der rest. und das mit gutem grund! ganz schöne zeichnungen mit liebevollen details. ein buch, das man hunderte male anschauen und erzählen kann (und will!). ich spreche aus erfahrung.

ode an den mittagsschlaf

nicht meinen. ich hab nie einen gemacht. als kind vielleicht schon. wobei: wenn man meiner mutter glaubt, war ich mit einem jahr windelfrei. es kann also gut sein, dass ich damals auch mit algebra und russischer grammatik angefangen habe und keine zeit mehr hatte für mittagsschlaf.

ich meine den der kinder.
ich habe ihn immer geliebt. ich habe nie selbst geschlafen in dieser zeit, obschon es ja den sehr klugen rat gibt: „schlafe, wenn das baby schläft“. (und den noch besseren konter: „gute idee, ich koche dann, wenn das baby kocht und räume auf, wenn das baby aufräumt.“) ich kann tagsüber nicht schlafen. ich fühle mich anschliessend immer, als sei ich betrunken. was sich jetzt irgendwie erstrebenswerter anhört, als es wirklich ist.

ich habe die zeit ähnlich genutzt. meist auch in der horizontalen. kaum hat das kind ENDLICH die augen zu, sofort aufs sofa, füsse hoch. es waren MEINE minuten des tages. es gab sogar zeiten, in denen ich eine zigarette geraucht habe (nicht auf dem sofa, auch wenn das irgenwie noch cooler gewesen wäre). ein bisschen habe ich mich dann gefühlt wie die kinderlose single-frau, die ich manchmal gerne wäre. nur ein paar minütchen pro tag. höchstens.

leider haben die kinder nie synchron geschlafen. also tagsüber. nachts schaffen sie es ab und zu. der grosse hatte den mittagsschlaf pünktlich mit der geburt des kleinen bruders abgeschafft. und so haben wir den schlaf des kleinen bruders oft genutzt, um mal wieder zu zweit zu sein. wahrscheinlich hat sich der grosse dann gefühlt wie das einzelkind, das er manchmal gerne wäre. vielleicht öfter als ein paar minütchen pro tag.

wie dem auch sei. man ahnt es: es ist langsam vorbei mit der kleinen pause mitten am tag. und nein, meine kinder sind keine von der sorte, die siesta machen oder zimmerstunde. sie können sich hervorragend selbst beschäftigen, vorausgesetzt, sie hören mama irgendwo irgendwas arbeiten. sollte sie es wagen, sich hinzusetzen oder gar hinzulegen: auf sie mit gebrüll.

und so klappere ich mit geschirr und denke: früher war alles besser. und mir kommt in den sinn, dass es noch schlimmer wird. eines tages sind sie teenager und bleiben noch länger wach. bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin das familienbett kein thema mehr ist und zusammensein mit der mutti nicht mehr ganz so attraktiv.

ach, wie ich sie vermissen werde, meine kleinen magnete.

 

(und wer jetzt kommentieren möchte: na wenigstens schlafen sie abends früher/schneller ein / schlafen sie nachts dafür durch. don’t. just don’t.)

my happy place

es gibt dinge, die machen mich unverhältnismässig glücklich: caramel, handdesinfektionsmittel, ein leerer waschkorb (konjunktiv), kurze fingernägel (bei mir und allen anderen lebewesen auf diesem planeten). was aber alles toppt: unser estrich (helvetismus für dachboden). nicht unser estrich an sich, obschon der auch ganz okay ist. aber die schätze, die er birgt. ganz konkret: kinderkleidung. es gibt fast nichts im leben, das mich glücklicher macht, als in den estrich zu klettern und zu schauen, ob ich passende schuhe, hosen, jacken, in grösse xy habe und sie auch zu finden.

ich habe mich gefragt, was das über mich aussagt (ausser, dass ich momentan ein sehr tristes leben führen muss, weil mich das so glücklich macht). ich habe immer über freundinnen gelacht, die leidenschaftlich auf kinderkleiderbörsen oder in seconhandläden stöbern gehen. wie kann man nur so freude an schnäppchen haben? mich bringt keiner dahin: viel zu viele mütter (väter sind offenbar nicht zuständig für kinderkleider), laute kinder, gewusel, hektik.

ich weiss es jetzt: mein estrich ist meine kinderkleiderbörse. einfach ohne andere menschen. ich lache nie mehr über meine schnäppchenjägerinnen. sie sind wie ich, einfach weniger misanthropisch.

Adieu, oh März!

«Aber wenn ich die ganze Nacht wachgelegen und mich darauf gefreut habe, die Blumen zu giessen, dann lass ich mich durch das bisschen Regen nicht daran hindern!»

Pippi Langstrumpf.

Ja, März. Wir waren 13 Tage gefangen in unserem Haus. Die Buben hatten beide die Grippe (ja, die richtige Grippe, geht mir weg mit euren Schnudernasen, die ihr als Grippe bezeichnet!), beim Grossen gefolgt von seiner ersten Mittelohrentzündung und dem ersten Antibiotika. Wir Eltern waren auch krank, aber zum Glück gegen Grippe geimpft und konnten hegen und pflegen. Es war die Hölle und nichts anderes. Noch dazu gingen, wenn wir mal gesund waren, die Besuche im Spital weiter, was zu einer grossen Liebe für Helikopter beim Kleinen führte. Nach diesem Monat bin ich so erschöpft, dass ich dachte, mein Eisen ist schon wieder auf dem Tiefpunkt und es testen liess: alles wunderbar. Ich bin wirklich einfach nur müde.

Es gab aber auch jede Menge Lichtblicke: das erste Mal im richtigen Theater mit dem Grossen, eine wunderschöne Einladung mit Freunden, gute Neuigkeiten (ich bekomme eine tolle neue Chefin), eine Vorwärtsstrategie und aufmunternde Worte von anderen Mütter. Danke!

Gelesen:

I’m every woman. (hier Leseprobe anschauen und sich sofort verlieben!)

Das dritte Buch von Liv Strömquist, die ich ja bekanntermassen sehr vergöttere. Ich empfehle wirklich von Herzen ihr erstes Buch über die Vulva («Der Ursprung der Welt») und auch ihre folgenden Bücher.

Drei Wege.

Wer hat meinen Vater umgebracht.

Gekauft:

Meine erste Küchenmaschine.

guten morgen?

es gibt so tage (wie heute), da komme ich bei der lohnarbeit an (07:40 uhr), jemand begrüsst mich mit: «guten morgen» und ich frage mich: ist immer noch morgen? kann nur einer mutter oder einem vater passieren. ich bin eigentlich schon wieder müde, denn ich habe bereits:

  • mich erfolgreich aus dem ehebett, das sich heute nacht wundersamer weise in ein familienbett verwandelt hat, geschlichen
  • gefrühstückt, geduscht, mich geschminkt
  • den mann geküsst und mit ihm gelacht
  • den grossen buäb begrüsst und ihm frühstück gemacht, aber erst nachdem wir über die vor- und nachteile von vulkanen gefachsimpelt haben
  • znüni für den kindergarten gemacht und eingepackt
  • die überbleibsel der nacht verschwinden lassen (klingt aufregend, war es früher auch. heute sind es: eine windel und eine milchflasche)
  • schuhe geputzt und imprägniert
  • zwei kleidermännchen auf den spielzimmerboden gelegt
  • bibliotheksbücher zusammengesucht
  • den kleinen buäb im schlaf geküsst
  • mit meiner mutter geredet
  • 30 min zur lohnarbeit spaziert

und dann komme ich dort an und denke: morgen? ich habe noch einen ganzen tag vor mir? na halleluja.

(inspiriert übrigens von anyworkingmom, bei der ich letzte woche gastbloggen durfte. grosse blogempfehlung sowieso!)

Fragen aus der Quarantäne.

Ein bisschen monothematisch ist es hier. Es tut mir leid. Ich tu mir leid. Wir sind schon wieder krank. Und das wirft Fragen auf.

Wann kann ich wieder mal raus? Kann ich die Kinder dieses Jahr auch gegen Grippe impfen? Ist es schon Mittag? Ist Milch wirklich schleimbildend? Wie fühlt sich die Freiheit an? Hat der Kleine jetzt das gleiche wie der Grosse oder ist das schon was Neues? Schreibt man das gross oder klein? Kann ich ungeschminkt zum Briefkasten? Wen haben wir alles angesteckt? Haben wir noch Vaseline? Wie lange darf man Fieber senken? Träumt er was lustiges? Soll ich mich schminken? Ist schon Frühling? Hat er Handmundfuss? Wie viel TV ist okay? Wie bringe ich den Saft in das Kind? Ist das alles noch normal? Haben sie dasselbe wie die Nachbarn? Wie machen das andere? Hat er was am Auge? Wie bringe ich die Tropfen in das Kind? Warum bin ich nicht der Vater? Ist Bobo oder Peppa schlimmer? Werde ich mich draussen noch zurecht finden?

Und wie immer: Keine Zeit für die Antworten.